Drainer-Services: Was sie sind und warum sie gefährlich sind

Was Drainer-Services sind, wie sie Tokens und NFTs stehlen, welche Fälle bekannt sind, welche rechtlichen Risiken bestehen und wie du dein Wallet schützt.

Geschrieben vonCryptoRanks Research
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Aktualisiert

🔍 Wie Wallet-Drainer funktionieren und warum sie gefährlich sind

Drainer, kurz für wallet drainers, sind bösartige Toolkits, die Nutzer dazu bringen, riskante Transaktionen zu signieren, und anschließend Tokens oder NFTs sofort auf Adressen der Angreifer abziehen. Gefälschte Websites, falsche Airdrops und dApp-Klone lassen die Aktion harmlos wirken; der Diebstahl passiert in dem Moment, in dem im Wallet auf „Bestätigen“ geklickt wird.

Dieser Artikel erklärt systematisch, wie Drainer funktionieren, welche Haupttypen es gibt (Ethereum, Solana und andere), welche Angriffsszenarien besonders häufig sind, welche realen Fälle wie Monkey, Inferno, Pink oder Angel Drainer bekannt wurden, welche rechtlichen Risiken Autoren und Affiliates tragen und wie Nutzer ihre Wallets praktisch schützen können. Fachbegriffe werden beim ersten Auftreten erklärt.

🧠 Was ein „Drainer“ ist und wie er funktioniert

Drainer (Wallet Drainer): ein Softwarepaket, das Wallets „leerzieht“. Meist ist es ein Skript auf einer Phishing-Seite und/oder ein Smart Contract, der nach deiner Signatur Vermögenswerte an eine vom Angreifer kontrollierte Adresse verschiebt. Er hackt nicht die Blockchain, sondern bringt dich dazu, die Transaktion zu autorisieren.

Phishing-dApp: eine Website, die sich als legitimer Web3-Dienst ausgibt, etwa Börse, Mint oder Airdrop. Sie verbindet dein Wallet und schiebt eine Falle unter, zum Beispiel ein pauschales approve/setApprovalForAll oder einen versteckten Transfer.

Ice Phishing: eine Phishing-Variante, bei der das Opfer die Aktionen des Angreifers selbst autorisiert, also Berechtigungen oder Transfers freigibt, ohne den Hinweis im Transaktionstext zu erkennen.

Moderne Drainer können Vermögenswerte in einem Wallet inventarisieren, gefährliche Berechtigungen für ERC-20-Tokens und ERC-721/1155-Sammlungen einschleusen, Transaktionsdaten verschleiern, den Diebstahl in mehrere Schritte aufteilen und Gelder schnell über Adressketten weiterleiten. Wallet-Oberflächen zeigen zwar Warnungen an, aber Zeitdruck oder ein plausibler Vorwand wie Airdrop, exklusiver Mint oder „dringendes Update“ bringen viele Nutzer trotzdem zur Bestätigung.

Fall: Diebstahl einer NFT-Sammlung mit einer einzigen Signatur. Betrüger führten einen Monat lang „Verhandlungen“ im Namen eines Produktionsstudios und boten an, einen Teil der NFTs zu „lizenzieren“. Der Link führte zu einem Pseudo-Dienst für die „Vertragsunterzeichnung“. Nach dem Verbinden des Wallets und der Bestätigung der „Lizenz“ übertrug der Drainer alle 14 NFTs; als „Gegenleistung“ blieb nur ein Tokenbetrag im Centbereich an die Adresse der Angreifer.

Fazit: Das Opfer verlor Vermögenswerte im siebenstelligen Bereich, ohne Seed Phrase oder private Schlüssel weiterzugeben. Eine einzige falsche Signatur reichte aus.

🧭 Typische Angriffsmuster

Diese Szenarien tauchen in fast jedem Drainer-Fall auf. Unten steht der typische Weg des Opfers und die Techniken, mit denen er ermöglicht wird.
  1. Köder. Klon einer beliebten Website, „exklusiver Airdrop/Mint“, gefälschte Landingpage oder täuschend ähnliche Domain.
  2. Traffic. Such- und Social-Ads, Massenposts, Bots oder kompromittierte offizielle Projektkonten.
  3. Wallet-Verbindung. Die Phishing-dApp bittet darum, eine Aktion zu „bestätigen“, reicht aber tatsächlich ein approve/setApprovalForAll oder einen direkten Asset-Transfer ein.
  4. Diebstahl und Verschleierung. Gelder werden sofort aufgeteilt und auf neue Adressen bewegt; häufig wechseln die Täter Chains und Contracts, um die Analyse zu erschweren.

Häufig verwendete Techniken

  • 🎁 Airdrop/NFT-Drop. „Hol dir deinen Bonus“ ist der klassische Dringlichkeitsauslöser.
  • 🧑‍💻 Kompromittierte Social-Accounts. Ein „offizieller“ Link von einer Marke oder einem Influencer wirkt überzeugend.
  • 🔎 Suchanzeigen. Gefälschte Seiten stehen bei heißen Suchanfragen oft über den Originalen.
  • 🎭 Social Engineering. Lange „Verträge“, falsche Dokumente, „Verhandlungen“ und manuelle Vorarbeit senken die Wachsamkeit.

🧩 Varianten und Zielplattformen

💻 Ethereum-Drainer

Das EVM-Ökosystem ist das wichtigste Ziel: mehr Liquidität, mehr DeFi/NFT und die Gewohnheit, häufig zu signieren.
  • ⚙️ Mechanik: gefährliche approve/permit-Freigaben für ERC-20 oder setApprovalForAll für NFTs, wonach der Angreifer die Assets selbst abzieht.
  • 🎯 Ziele: hochwertige Tokens, liquide NFTs und „Rechte an einer Sammlung“.
  • 🧪 Ausprägungen: Multi-Chain-Kits für Ethereum, BSC, Polygon, Arbitrum und weitere Netzwerke.

✅ Stärken aus Sicht des Angreifers

  • 🔹 Große Zahl potenzieller Opfer und viele Marken, die sich klonen lassen.
  • 🔹 Viele „legitime“ Vorwände für Signaturen: Mints, Farming, Airdrops.

❌ Schwachstellen aus Sicht der Verteidigung

  • 🔻 On-Chain-Nachverfolgbarkeit und die Möglichkeit, Berechtigungen schnell zu revoke.
  • 🔻 Phishing-Filter in Wallets und Browser-Erweiterungen zur Transaktionsanalyse.

In EVM-Netzwerken ist das Risiko hoch, weil das Ökosystem reich und das Signieren alltäglich ist. Disziplinierte Revokes und „Transaktionsübersetzer“-Erweiterungen senken die Angriffsfläche deutlich.

⚡ Solana-Drainer

Sie kamen später auf, entwickelten sich aber schnell, weil Ideen aus EVM portiert wurden und Code-Leaks verfügbar waren.
  • 🔐 Signatur: Transaktionen für SOL- oder Token-Transfers; manche Varianten versuchen, die Seed Phrase abzufragen. Sie darf niemals außerhalb der offiziellen Wallet-App eingegeben werden.
  • 🧰 Kits: fertige Generatoren für Phishing-Seiten, Mint-Vorlagen und Skripte zur „Berechtigungsprüfung“.
  • 📉 Schaden: Der durchschnittliche Betrag ist niedriger als auf Ethereum, aber das Angriffsvolumen wächst mit der Popularität des Ökosystems.

Andere Transaktionsformate schützen nicht vor Social Engineering. Das Verhalten des Nutzers bleibt die wichtigste Verteidigung.

🌐 Wichtige Drainer-Services und ihre Größenordnung

Es hat sich ein ausgereifter Scam-as-a-Service-Markt gebildet: Entwickler verkaufen oder vermieten Drainer-Kits, während Affiliates Phishing-Kampagnen betreiben. Das Grundmodell besteht aus Einstiegsgebühr plus Anteil an jedem Diebstahl; alternativ werden modulare Kits einmalig verkauft.

📛 Name 📆 Aktivitätszeitraum 💰 Größenordnung ⚙️ Modell ⭐ Besonderheiten
🐒 Monkey Drainer 2022-2023 Zehn Millionen USD und mehr
tausende Opfer
Affiliate-Provision Einer der ersten „Drainer-as-a-Service“-Anbieter
Fokus auf NFTs
🔥 Inferno Drainer 2023 Sehr große Beutezüge
hunderttausende Opfer
20-30% Gebühr
schlüsselfertiger Service
Tausende Phishing-Domains
Multi-Chain-Ansatz
🎀 Pink Drainer 2023-2024 Gesamtsummen nahe 100 Mio. USD
kumuliert
Affiliate-Provision Kompromittierte Brand- und Influencer-Accounts
glaubwürdige Links
👼 Angel Drainer 2023-heute Einzelfälle
hunderttausende USD in wenigen Stunden
Einstiegsgebühr + Revenue Share Aktive Beteiligung des Teams an Angriffen
kompromittierte Widgets und Integrationen
💻 MS Drainer 2023-2024 Zehn Millionen USD und mehr
zehntausende Opfer
Kit-Verkauf
Fixpreis + Module
Massiver Missbrauch von Suchanzeigen
bezahlter Traffic

🧱 Die „Ökonomie“ des Drainer-Markts

Warum solche Services nach laut angekündigten „Schließungen“ nicht verschwinden.
  • 💸 Finanzierung: Revenue Share aus der Beute motiviert Autoren, Infrastruktur für Affiliates bereitzustellen; Einmalverkäufe zu Festpreisen senken die Einstiegshürde.
  • 🧩 Module: Website-Klone, massenhafte Domain-Erzeugung, Integration populärer Wallets und automatische Auswahl der wertvollsten Assets.
  • 🔄 Markenrotation: „Shutdowns“ bedeuten oft Rebranding und Umzug in neue Kanäle und auf neue Domains.

Das Drainer-Ökosystem ist widerstandsfähig, weil die Einstiegshürde für Affiliates niedrig ist und Autoren hohe Renditen sehen. Schutz muss daher dauerhafte Disziplin sein, keine einmalige Kampagne.

⚖️ Rechtsstatus und Haftung

Erstellung, Verbreitung und Nutzung von Drainer-Kits sind Straftaten, etwa Betrug, unbefugter Zugriff und Beihilfe. „Ich habe nur den Code geschrieben“ schützt nicht: Das Bereitstellen eines Werkzeugs für Diebstahl kann selbst eine Straftat darstellen.

  • 🏛️ Praxis: Identitäten von Autoren und Affiliates werden ermittelt; Rechtshilfeersuchen, OSINT und On-Chain-Analysen kommen zum Einsatz.
  • 🧑‍⚖️ Risiken für Affiliates: Administratoren von Domains und Kanälen, Hosting-Anbieter und Media Buyer können ebenfalls in den Haftungsbereich fallen.
  • 🧾 Projekt-Compliance: Marken brauchen Anti-Phishing-Prozesse: Kontrolle über Domains und Socials, signierte Mitteilungen, Blocklisten und schnelle öffentliche Klarstellungen.

🛡️ So schützt du dich: praktische Tipps

Gib Seed Phrase und private Schlüssel nur in der offiziellen App deines Wallets ein. Jede Webform oder jeder „Supportdienst“, der nach einem Seed fragt, ist Betrug.

  • 🧳 Getrennte Wallets. Ein Arbeits-Wallet für dApp-Experimente mit minimalem Guthaben für Gebühren und ein separates Spar-Wallet, idealerweise cold. Wertvolle Assets regelmäßig aus dem Arbeits-Wallet entfernen.
  • 🔍 Adresse und Quelle prüfen. Nicht auf Anzeigen klicken; Adresse manuell eingeben oder Lesezeichen nutzen. Domain Buchstabe für Buchstabe prüfen, denn ähnlich aussehende Zeichen sind ein häufiger Trick.
  • 📜 Anfrage lesen. Vor dem Signieren genau prüfen, was die Seite verlangt: pauschales approve, setApprovalForAll oder Transfer sind Warnsignale.
  • 🧩 Transaktionsübersetzer. Erweiterungen nutzen, die in verständlicher Sprache erklären, was nach der Signatur passiert, und vor Phishing warnen.
  • 🚫 Approvals widerrufen. Zuvor erteilte Token- und NFT-Berechtigungen regelmäßig prüfen und zurückziehen, besonders nach der Interaktion mit fragwürdigen dApps.
  • 🔒 Gerätehygiene. Wallets und Browser aktuell halten, Anti-Phishing-Listen nutzen, Autorun von Inhalten und nicht vertrauenswürdige Erweiterungen vermeiden.
  • 🧠 Psychologie. Nicht auf Dringlichkeit hereinfallen: „nur heute“ oder „erste 500“ sind Standardtricks. Pausieren und Nachrichten bei der Originalquelle prüfen.

❓ FAQ

Kann ein Antivirus einen Drainer auf einer Website erkennen?
Normale Antivirus-Tools können bekannte Domains oder Downloads blockieren, aber ein Drainer ist meist ein Skript auf einer täuschend ähnlichen Website. Das eigentliche Risiko steckt in der Signatur selbst. Anti-Phishing-Erweiterungen und sorgfältiges Lesen der Wallet-Anfrage helfen mehr.
Gibt es eine Chance, gestohlene Tokens oder NFTs zurückzubekommen?
Fast nie: Transaktionen sind irreversibel, und Gelder werden schnell über mehrere Adressen verteilt. Entscheidend ist Prävention: getrennte Wallets, Revokes und sorgfältige Prüfung.

✅ Fazit

Drainer-Services bilden ein reifes kriminelles Ökosystem des „Betrugs als Service“. Ihre Stärke liegt nicht darin, Smart Contracts zu brechen, sondern menschliche Eile und Vertrauen in bekannte Marken und Oberflächen auszunutzen.

Gegenmaßnahmen ruhen auf drei Säulen: Verhaltenshygiene durch Vorsicht und Prüfung, technische Werkzeuge wie Erweiterungen, Revokes und getrennte Wallets sowie Maßnahmen auf Projektseite wie Anti-Phishing-Disziplin und schnelle öffentliche Warnungen.

Die wichtigste Web3-Fähigkeit ist, zu verstehen, was eine Signaturanfrage wirklich bedeutet, und immer dann zu stoppen, wenn globale Berechtigungen oder „zu großzügige“ Angebote auftauchen.

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